Wieder selbst zu denken? Tun wir das nicht sowieso und immer?

Service Center Material Weiterbildung Markus Euler

Nun ja, das stimmt teilweise. Wir haben Gedanken, aber ist es das Gleiche wie selbst zu denken? Ich behaupte: Nein! Ich war schon einige Zeit selbständig und es lief sehr gut. Kein Grund also, etwas zu ändern. Und doch stellte ich eines Tages fest, dass irgendetwas nicht stimmte. Dass ich immer wieder Dinge tat und Gedanken hatte, die zwar plausibel waren, aber eben nicht das in mir auslösten, was ich mir davon versprach. Der endgültige Auslöser war ein Gespräch mit einem Kollegen, nachdem er eine Podcast-Episode mit mir aufgenommen hatte. Er schenkte mir sein aktuelles Buch und schrieb eine Widmung hinein. Ich nahm das Buch, bedankte mich und legte es zur Seite. Tags darauf blätterte ich in diesem Buch und sah mir die Widmung an. Sinngemäß stand dort: „Lieber Markus, Du hast es schon ganz schön weit geschafft, wenn Du aber richtig erfolgreich sein willst, dann zeige ich Dir, wie das geht. Dein …..“

Mein erster Gedanke war: „Was willst Du denn, ich bin doch erfolgreich! Und was meint der mit richtig erfolgreich?“ Im ersten Moment war ich sauer und dachte: „Geht´s noch? Du willst mir sagen, wie mein Erfolg auszusehen hat?“ Und im zweiten Moment erinnerte ich mich an einen Begriff, den Robert Betz geprägt hat: „ARSCH-ENGEL“. Das sind Menschen, die einem Feedback geben, welches im ersten Moment starke Abwehr-Reaktionen auslöst und man das Gefühl hat, sofort alles wiederlegen und rechtgertigen zu müssen. Daher der erste Teil des Begriffes: ARSCH!

Im Grunde aber sind diese Menschen ENGEL, denn sie weisen Dich auf Dinge hin, die Du entweder nicht selbst erkennen kannst oder willst. Deshalb der ENGEL. Warum sind diese Menschen wichtig für uns? Weil sie sich trauen, Dinge auszusprechen, die andere eben nicht aussprechen. Menschen, die Dir immer nur das Feedback geben, das positiv ist oder das sagen, was Du hören willst sind auch o.k. Sie helfen aber nicht wirklich weiter. Ausser, dass man Ihnen gerne zuhört, weil man sich wohl dabei fühlt. Ich hatte also in meinem Kollegen einen echten ARSCH-ENGEL erwischt, denn sofort kam in mir die Fra

ge auf, die ich mir vorher noc

h nie so richtig gestellt hatte:

„Was verstehe ICH, Markus Euler, unter ERFOLG, meinem ERFOLG?“

Es kam, was zu erwarten war: NICHTS. Ich hatte keine Definition in meinem Kopf. Viele Worte fielen mir ein, wie man Erfolg definieren kann. Aber eben nur i

mmer im Allgemeinen. Ich wollte aber meine Definition.

Und ich stellte fest, dass ich viele Dinge getan hatte, die eine Art Erfolgserlebnis in mir ausgelöst hatten. Das war gut so. Aber es waren auch viele Oberflächenreize dabei, auf die ich reingefallen war. Dinge, die supertoll klangen und denen ich hinterher gerannt war, weil andere sagten, dass man das braucht, wenn man erfolgreich sein will. Du musst auf große Bühnen, brauchst eine meserscharfe Positionierung, ohne Agentur läuft gar nix,

du musst ….. usw.Dann hast du Erfolg.

Ich hatte mir also fremde Gedanken in meinen Hirnkasten einpflanzen lassen ohne diese zu prüfen und zu bewerten. Um dann entscheiden zu können, ob sie gut für mich sind, weil sie meinen persönlichen Erfolg unterstützen. Heute weiss ich, dass es teilweise genau das Gegenteil von dem erzeugt hat, was mich in Wahrheit glücklich macht. Große Bühnen sind nicht mein Ding, ich möchte mit Menschen etwas erschaffen und sie nicht mit Content vollballern, den sie eh´nicht benötigen. Ich brauche kein „xy-Konzept“, mit dem alles möglich ist und welches ich dann mit Superlativen vermarkten muss, damit die Kunden nicht merken, dass man sie für blöd hält. Und sie bloß nicht anfangen, selbst zu denken. Das wäre tödlich für den Umsatz. Ich brauch andere Herausforderungen, ich muss auch nicht ins Fernsehen, was gerade in der Trainerbranche absolut Hip ist. Wer das will oder braucht – gerne. N

icht mein Zirkus, nicht meine Affen.

In der heutigen, reizüberfluteten Welt treffen wir auf viele Gedanken, die wir einfach so übernehmen und teilweise zu unseren eigenen Gedanken machen. Und damit geben wir das eigene Denken auf. Andere tun dies für uns und das nicht immer in unserem Sinne. Ich nenne dies „FAKE-THOUGHTS“. Und diese Gedanken führen dazu, dass wir glauben, Dinge tun zu müssen, die in Wahrheit für uns keinen Sinn machen und unsere eigenen Motive nicht bedienen. Als kurzweilige Lektüre empfehle ich dazu das Buch von Tommy Jaud: „Einen Scheiss muss ich“.

Wir sollten wieder mehr anfangen, uns auf das eigene Denken zu verlassen, anstatt anderen wohlklingenden Reizen zu erliegen. Was nicht heisst, dass andere Gedanken und Ideen für uns nicht nützlich sein können. Im Gegenteil. Es braucht nur einen klitzekleinen Prozess dazu, um dies herauszufinden. Und der heißt: Denke selbst darüber nach und prüfe die Gedanken, Tipps, Ratschläge anderer. Nicht einmal, sondern zweimal. Lass´Dir etwas Zeit

dazu, besonders dann, wenn es Dinge sind, die Deine Ressourcen beanspruchen. Und wenn es Sinn macht, mache diese zu Deinen eigenen Gedanken. Dann gehören sie auch (zu) Dir und Du kannst sie beherrschen und die besten Entscheidungen Deines Lebens treffen. Im einfachsten Fall passen sie nicht zu Dir, weil  andere eine andere Vorstellung und Definition von diesen Dingen haben, das ist auch absolut richtig und o.k.

Aber dann sind es eben nicht Deine. Die Gedanken sind nämlich frei un dieses Volkslied gibt es seit 1780.  Für mich ist dieser Weg noch nicht zu Ende und ich weiss nicht, ob es da überhaupt ein Ende gibt. Dann ist eben der Weg das Ziel.

Selber denken, das hört sich so leicht an. Ist es aber nicht.

Passt auf Euch und Eure Gedanken auf!

 

 

2018-11-06T18:49:01+00:00