Unser Leben im so genannten ” ständigen Wandel” verlangt uns einiges ab. Von allen Seiten wird uns suggeriert, dass wir keine Chance mehr im Leben haben, wenn wir uns nicht ständig neuen Gegebenheiten anpassen, alte Muster über Bord werfen und allzeit bereit sein müssen, Dinge zu tun, die wir noch nie getan haben. Und natürlich steckt da viel Wahrheit drin. Wir sind niocht wirklich Weltmeister der Veränderung, dazu sind die meisten von uns zu träge und unser Gehirn hält drängt uns immer wieder in die altbewährten, erprobten und samit vermeintlich sicherne Muster. Doch die Qualität unserer Arbeitsleben wird heute maßgeblich davon beeinflusst, wie schnell wir in der Lage sind, uns auf neue Menschen, Prozesse, Produkte, Technologien usw. einzulassen und uns weiter zu bilden. Veränderung ist wahrlich nicht leicht, aber von der Sache her einfach. Denn haben wir einmal verstanden, wie Veränderungsprozesse ablaufen, dann kennen wir auch die kritischen Faktoren, die beitragen ob die Veränderung gelingt oder nicht. Eine “Geling-Garantie” aber gibt es auch hier nicht. Dazu spielen einfach zu viele Faktoren eine Rolle. Einer dieser kritischen Faktoren liegt genau zwischen den beiden “Zuständen”, die wir im Veränderungsprozess durchlaufen.

Die “neutrale Zone” oder – wie ich es gerne nenne, das Niemandsland. Da Veränderung in unserem Denken oder im Tun immer prozesshaft abläuft, gibt es eine Übergangsphase. In dieser Phase ist das “Alte” noch nicht vollständig vorbei und das “Neue” noch nicht etabliert. Man befindet sich quasi zwischen zwei “Zuständen”. In einem Trennungsprozess hat man zum Beispiel die ersten Schritte vollzogen und sich vom “Partner” getrennt, man ist allerdings noch nicht im neuen Leben, dem “Wieder-Single-sein” angekommen. Hier ereignen sich in der Regel zwei unterschiedliche Dinge, welche den Erfolg der Veränderung behindern können.

  1. Der Prozess wird “künstlich” beschleunigt
  2. Der Entscheidung wird “nachgetrauert”

Man möchte also scheneller in den neuen  Zustand oder bereut den Veränderungsschritt und fällt wieder dorthin zurück. Es wirken also zwei gegensätzliche Kräfte, die wir in einem anderen zusammenhang auch von “Weg-von” oder “Hin-zu” kennen. Das eine ruft “Komm so schnell wie möglich zu mir”, das andere schreit “Hey, bleib hier, es ist noch nicht vorbei”.

Dabei ist diese Phase der neutralen Zone ungeheuer wichtig für die Veränderung, den sie gibt uns die Möglichkeit die Dinge zu tun, die notwendig sind, um das Vergangene geordnet zu verlassen und das Neue richtig anpacken zu können. Hier sind Geduld und Aufmerksamkeit gefragt, denn wenn wir diese Phase gut durchstehen, dann haben wir alles getan, um später auch zu erkennen, dass die Veränderung der richtige Schritt war. Und wir können in Ruhe planen und uns auf das Neue vorbereiten. Wer aber den Prozess versucht zu beschleunigen (sich zum Beispiel im Trennungsfall zu schnell einen neuen Partner sucht oder keinen Frieden mit der Vergangenheit schließt), wird wahrscheinlich auf Dauer nicht richtig zufrieden sein können. Wer sich nicht komplett lösen kann (und auch hier hilft diese Zwischenphase), der wird vielleicht nie richtig in der neuen Situation ankommen.

Die neutrale Zone im Verändeurngsprozess ist also ein notwendiges Plateau, auf dem wir gerne auch eine Weile verharren dürfen, wohlwissend, dass es nur ein Plateau ist, das wir auch wieder verlassen werden und müssen. Und wir es trotzdem als Hilfestellung auf unserem Weg der Veränderung ansehen und würdigen können.