Ziele sind per se etwas Gutes. Sie helfen uns auf dem Weg zum Erfolg, geben uns eine Richtung und sorgen für entsprechende Leistungen. Ziele wird es immer geben. Aber mit den Zielen war es auch schon immer etwas schwierig. Sie müssen SMART, also klar formuliert, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert sein, sie müssen positiv sein, den eigenen Werten entsprechen und so weiter. Und jetzt? Für die meisten Unternehmen sind die so mühsam aufgestellten Zielpläne Schall und Rauch. Denn wenn sich Rahmenbedingungen immer schneller ändern, was passiert dann mit den (mühsam) aufgestellten Zielen? Können wir es uns (noch) leisten, hohe Ressourcen zu investieren, um dann festzustellen, dass die Ziele nun doch nicht erreichbar waren?

Was bringt es uns, wenn wir ständig an den Zielschrauben drehen müssen und die Zielscheiben dann jeden Tag woanders hängen?  Das sorgt für Frustration und Verwirrung.  Und aktuell erleben wir, dass wir es kaum noch in der Hand haben, wirklich (beständige) Ziele aufzustellen. Sei es der Urlaub oder der Umsatz. Das Wort „langfristig“  in Verbindung mit Zielen ist aktuell nicht in unserem normalen Sprachgebrauch.

Wie viele Unternehmen haben in den letzten Tagen verkündet, dass die mühsam aufgestellten Ziele jetzt komplett in die Tonne getreten werden können. Vielleicht sogar die Zielplanung für die nächsten Jahre. Wir erleben die VUKA-Welt gerade in voller Wucht. Sie hat uns einen Stock in die Speichen gerammt, alle sind ruckartig gebremst, manche haben immensen Schaden erlitten. Volatil, unberechenbar, komplex und widersprüchlich. Wie passen in eine solche Welt, die wir uns in Deutschland über Jahrzehnte aufgebaut haben noch starre Ziele? Ja, die Zeiten ändern sich auch wieder und gleichzeitig müssen wir überlegen, ob es auch andere Möglichkeiten gibt, dahin zu kommen, wo wir hin möchten. Ohne alles mit Zielen zu versehen.

Niemand kann es sich mehr leisten, mehreren Zielen hinterherzurennen und kurz vor Toreschluss zu erkennen, dass keines davon wirklich erreichbar ist! Vielleicht sind wir ja auch zufriedener und kommen dort an, wo wir  sonst nie hingekommen wären – mit weniger Zielen. Ist das Ziel das Ziel oder der Weg?  O.k. – zu philosophisch.

Wir haben die letzten Jahre daran gearbeitet Ordnung und Struktur herzustellen und (auf -Teufel-komm´-raus) beizubehalten. Optionen-Denken und Flexibilität – das sind Etiketten, die man normalerweise weniger einem deutschen Unternehmen zuschreibt. Deshalb tun sich ja auch die meisten mit dem „Change“ so schwer. In Zukunft sollten wir uns immer mehr auf Optionen, statt auf Ziele ausrichten. Denn niemand weiss, wer oder was uns demnächst einen Strich durch die Rechnung macht, so wie aktuell dieser Virus aus Wuhan. Optionen nehmen den Druck heraus und machen uns beweglich. Klingt wieder wie das Buzzword „Agilität“, ist aber nur so ähnlich. Optionen machen uns tatsächlich auch beweglicher, aber wir  konzentrieren uns gezwungenermaßen mehr auf die tatsächlichen Stärken und bestehenden Chancen. Komplexe und unsichere Entscheidungs-Situationen werden vermieden. Denn es sind ohnehin  nur die „unentscheidbaren Entscheidungen“, mit denen wir uns beschäftigen müssen, denn Rest kann man ausrechnen (lassen). Optionen gehören deshalb schon immer zum Entscheidungsprozess, spätestens wenn man verhandelt (Kinder ebenso wie Manager). Wir können Sie aber auch zum Mittelpunkt des Denkens machen. Wenn wir jetzt wir das Denken in Chancen und Optionen in den Vordergrund rücken und nicht nur an unseren Zielen festkleben, dann werden auch Krisen in ihren negativen Auswirkungen abgefedert. Ein wunderbarer Nebeneffekt besteht darin, dass man beim Chancen-Denken überwiegend auf die eigenen Stärken fokussiert ist und Kreativität wieder einen hohen Stellenwert erlangt. Das „Hinterherrennen“ von Kennzahlen hat ohnehin nur denen Spaß gemacht, die sie am Ende auch erreicht haben. Denken wir daran: „Viele Wege führen nach Rom“.